L9-Ludgerus-Fenster

Ganz anders das benachbarte Ludgerusfenster. Die hohen gotischen, meist dreiteiligen Fenster in den beiden Seitenschiffen boten viel Patz sowohl für figürliche,  als auch für einfache, ornamentale Malerei. Um die großen Glasflächen auszufüllen, hat der Künstler außer den bildlichen Darstellungen auch überaus viele gemalte, gotische Architekturformen in die Fenster hineingebracht, eine wahre Phantasiearchitektur, mit der er die Bilder gleichsam einrahmte. Diese gemalte Architektur in den Fenstern von St. Felizitas reicht nach oben fast bis in das steinerne Maßwerk und nach unten mit vielen Bögen, Windungen und Schnörkeln in die Bilder hinein. Man könnte sie vergleichen mit den aus Holz geschnitzten sogenannten Gesprenge, dem phantasievollen, sogar mit Figuren besetzten  Aufbau, den man wohl an spätgotischen Altären findet.

Ludgerus, der aus Friesland stammte, hatte in Utrecht und York (England) studiert, war 777 in  Köln zum Priester geweiht worden und  hatte bereits mit wechselndem Erfolg in seiner Heimat missioniert, als Kaiser Karl d. Gr. ihm 792 das westliche Sachsenland als Missionsgebiet anwies. Die Sachsenkriege der Franken, die sich dreißig Jahre hinzogen, waren noch nicht zu Ende, aber Ludgerus hatte doch einen bleibenden Erfolg. Aus seinem Missionssprengel wurde das Bistum Münster.

In unserem Ludgerusfenster sind zwei Szenen aus der Geschichte dieses bedeutenden Missionars und ersten Bischofs von Münster dargestellt. Unten ist das Namens¬zeichen des Heiligen angegeben: Die zwei verschlungenen Buchstaben SL = Sanctus Lud-gerus (und darunter in kleiner Schrift die Herkunft des Fensters: Päpstl. Hofglasmalerei Wilh. Derix, Goch und Kevelaer, 1910).

Das obere Bild könnte man überschreiben: Ludgerus  predigt den Sachsen. Wie selten: Der Heilige steht unter freiem Himmel. Er trägt Meßgewand und Mitra. Sein Name ist in den Heiligenschein über seinem Kauf eingeschrieben. Begleitet wird Ludgerus von zwei Mönchen, von denen der eine ein Vortragskreuz, der andere den Bischofsstab trägt- Um den bischöflichen Missionar herum steht dicht gedrängt eine große Schar von Zuhörern. Jung und Alt, und lauscht aufmerksam seinen Worten.

Das untere Bild im Ludgerusfenster stellt die Ubertragung des toten Bischofs von Münster nach Werden an der Ruhr dar. Ludger war am 26. März 8o9 in Billerbeck gestorben. Der Leichnam wurde zunächst nach Mimigerneford  (Münster) gebracht, wo man ihn beisetzen wollte. Aber der Verstorbene hatte Kloster Werden, das er selbst gegründet hatte, als Ruhestätte gewünscht in diesem Sinne entschied Kaiser Karl den Wettstreit zwischen Mimigerneford und Werden. 
Auf dem Wege nach Werden kam der Leichnam im April 809  durch Lüdinghausen, dessen Ursprung ja auch mit Ludger und Werden eng verbunden ist. Am 26. April schließlich wurde er in Werden zur letzten Ruhe bestattet. 

Auf unserem Bild ist der Sarg mit einem roten, mehrfach mit dem Zeichen SL geschmückten Tuch bedeckt und wird von Mönchen getragen. Ein Diakon (in Dalmatik) trägt das Kreuz voraus, begleitet von zwei kerzentragenden Ministranten. Ebenso halten zwei Männer hinter den Sargträgern zwei Lichter auf hohen Stangen und an den Stangen zwei Schildchen mit dem Zeichen SL in die Höhe. In Gefolge des Leichenzuges schreiten auch zwei Bischöfe mit Mitra und Stab. in dem Gesprenge oberhalb des Bildes sieht man zwei Engel, die beide eine Glocke läuten. Auf dem Fuß der rechter Säule, auf welcher der Engel steht, ist ganz unten die Stifterin des Bildes angegeben: Anna Höltken fund (avit).

Auffallend ist, dass gut erkennbar oben  rechts schob die heutige Felizitaskirche mit in das Bild genommen ist. Hier hat sich der Maler eigen Anachronismus (Zeitwidrigkeit) erlaubt.

Zum Schluss sei noch auf das Maßwerk dieses Fensters hingewiesen. Ganz oben in der Spitze sehen wir ein Wappen: Einen goldenen Schild mit rotem Querbalken, darüber eine Mitra und dahinter gekreuzt einen Bischofsstab und einen Kreuzesstab. Es ist das Wappen des einstigen Fürstbistums Münster. Dieses war ja die Fortsetzung des Missionsbistums, das Ludgerus einst gegründet hatte.

Ausschnitte, während der Innenrenovierung der Kirche 2014 vom Gerüst aufgenommen