R7-Franziskus Fenster

Im folgenden wollen wir drei Fenster betrachten, die in gewissem Sinne zusammengehören, drei qleichhohe Fenster in der Südwand der Kirche, der Mittagssonne zugewandt. 

Alle drei Glasmalereien haben das gleiche Thema, nämlich die Seligpreisung aus der Bergpredigt Jesu, illustriert nach dem Leben mehrerer Heiligen. Auch der "Aufbau" der Bilder ist der gleiche. 

In jedem Fenster sind zwei Szenen dargestellt, dazwischen ist noch ein kleineres Bild mit symbolischen Gestalten hinzugefügt, alle ergänzt durch den dazugehörenden Text aus der Bergpredigt. 

Sehr reichlich ist auch hier wieder die gemalte Architektur in den verschiedensten Formen ins Bild genommen, so dass die Glasflüchen bis zum letzten ausgefüllt sind.

Das erste dieser Fenster, die auf die Seligpreisungen bezogen sind, ist das Franziskus-Fenster. Wir sehen in dem unteren Bild eine Szene aus dem Leben des hl. Franziskus von Assisi (+1226), nämlich seine Weihnachtsfeier im Walde von Greccio (bei Rieti). 

Im Hintergrund des Bildes steht eine Krippe in einer Grotte; davor ist ein Altar aufgebaut, ein Priester zelebriert die h). Messe, Franziskus steht im Vordergrund und predigt. (Er war Diakon.) Die Zuhörer sind Hirten aus der Umgebung, die er zur Mitfeier  eingeladen hat.

Das Vorbild des h1. Pranziskus und seiner Ordensbrüder trug sehr zur Verbreitung der Krippenkunst und Krippen bei. Unter unserem Bild steht die Seligpreisunq:

Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich. 

Dieses Wort wird oft auf Franziskus bezogen, weil er, der Poverello, freiwillig arm gelebt hat, arm an irdischen Gütern nach dem Vorbild Christi. Doch kann man das Wort "Arm im Geiste" auch im weiteren Sinne verstehen: Wer sich vor Gott vorkommt wie ein Bettler...

Das obere Bild des Fensters ist einem anderen hl. Franziskus gewidmet, nämlich Franz von Sales (+1622). Er stammte vom Schloß Seiles in Savoyen (französische Alpen) und war Bischof von Genf.

 Als Seelsorger und Prediger, auch als geistlicher Schriftsteller unermüdlich tätig, führte er einen harten Kampf gegen den Calvinismus in seiner Heimat. 

Das Bild zeigt uns, wie er bei Nacht (Mond und Sterne stehen am Himmel) von seinen calvinistischen Gegnern bedroht wird. Sie dringen mit Keulen und bissigen Hunden auf ihn ein. 

Der Heilige wurde schon zu Lebzeiten als ein sanftmütiger und friedfertiger Mensch gepriesen. Darum wird auch auf ihn die Seligpreisung bezogen, die unter dem Bilde sieht: 

Selig die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.

Zwischen den beiden Pranziskus-Bildern erscheint noch als Ergänzung dazu ein kleineres Doppelbild mit zwei allegorischen Gestalten, links ein Jüngling, der Krone und Zepter verachtet und auf einen Geldbeutel tritt. Ihm wird vorn Himmel her ein Siegeskranz gereicht. Er verkörpert die freiwillige Armut. Ihm gilt dieselbe Seligpreisung wie Franziskus von Assisi: Beati pauperes spiritu - Selig die Armen im Geiste. 

Das Bild rechts daneben versinnbildet die Sanftmut. Eine junge Frau trägt ein Lamm auf dem Arm und hat ein anderes vor sich. Ihr wird eine Krone gereicht. Ihr gelten dieselben Wotrte Wie Franz von Sales: Beati mites -Seliq die Sanftmütigen.

Das Franziskus-Fenster ist wie das Apostelfenster gegenüber im nördlichen Seitenschiff eine Stiftung der Familie Josef Cremer. 

Das gleiche Wappen erscheint auch hier unten im Fenster. Die Jahreszahl 1900 ist noch deutlich zu lesen.