R9-Vinzenz-Fenster

Dass nächste hohe Fenster auf der Südseikte der Kirche, wieder dreiteilig und mit gotischem Maßwerk vorsehen. zeigt im Fensterglas auch drei Bilder und viel gemalte Architektur. Wir können es Vinzenz-Fenster nennen, nach dem Heiligen, der im unteren Bild vorgestellt wird. 

Vinzenz von Paul der bekannte französische Heilige, war ein Vorbild der Nächstenliebe, Erneuerer des religiösen Lebens bei Klerus und Volk und Gründer der Kongregationen der Lazaristen und der Vinzentinerinnen.

Wir sehen den hl. Vinzenz auf der Straße einer Stadt -man könnte an Paris denken- inmitten armer Menschen. Er trägt ein Findelkind auf dem Arm, dies er irgendwo aufgelesen hat, und wendet sich dem Bettler zu, der um Straßenrand sitzt. 

Zwei Ordensbrüder begleiten ihn, von denen der eine einen Kranken stützt. der auf Krücken geht, und der andere, der einer Frau mit Kind ein Brot reicht. So ist Vnzenz von Paul als Apostel der Caritas dargestellt. 

Ihm ist die Seligpreisung zugeteilt: Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigtkeit, denn sie werden  getröstet werden.

Ein Werk der Caritas sehen wir auch links darüber im mittleren Bild: 
Eine Frau reicht einem nackten Bettler ein Gewand. Über dem Kopf des Bettlers stehen die Worte: Beati misericordes - Selig die Barmherzigen.

 Dem Worte misericordes entsprechend müsste die Seliqpreisung unter dem Vlnzenzbild lauten: Selig die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Es ist unverständlich, warum der Maler hier die Seligpreisung "Selig, die hungern und dürsten" wiederholt, die er bereits bei Gottfried von Capnenberrg angeführt hat.

Das obere Bild im Vinzenzfenster zeigt eine Begebenheit aus dem Leben zweier bekannter Heiligen: 
Der hl. Carl Borromäus reicht dem hl. Aloysius die erste hl. Kommunion.

Carl Borromäus (+1548) Erzbischof von Mailand. war einer der bedeutendsten Bischöfe im Zeitalter der sogenannten Gegenreformation, hochverdient um das Trienter Konzil und die kirchliche Erneuerung, ein Mann der Arbeit und des Gebetes.

Aloysius, Sohn des Markgrafen von Gonzaga (Castig!ione bei Mantua), an Füstenhöfen erzogen, ausgezeichnet durch tiefe Frömmigkeit und Reinheit des Herzens, trat bei den Jesuiten ein, starb aber schon mit 23 Jahren an der Pest in Rom (+1591).

Wir sehen: Aloysius empfängt kniend die hl. Kommuniun. Carl Borromäus ist an seinem roten Talar als Kardinal erkennbar. In seinem Gefolge trägt jemand den Kardinalshut, ein anderer das Vortragekreuz. Ein Ministrant kniet mit brennender Kerze daneben. 

Hinter Aloyius erscheinen seine Eltern und andere Begleiter. Die Seligpreisung lautet: Selig sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott anschauen

Weil Aloysius besonders als Vorbild der Keuschheit  verehrt wird, erscheint in dem mittleren Bild eine Frauengestalt, die diese Tugend verkörpert. Sie wird von starken Lichtstrahlen aus der Höhe überstrahlt und von zwei Tauben umflattert. 

Im Gegensatz dazu windet sich vor ihm im Staube die Paradisesschlange (mit dem Apfel, das Symbol des Bösen. das Zeichen der Verführung. Zu der Gestalt der Keuschheit gehören die Worte aus der Seligpreisung: Beati mundo corde - Selig, die reinen Herzens sind.