L7-Apostel-Fenster

Das Kirchenfenster links neben der Orgel könnte man das Apostelfenster nennen. Wir beginnen unsere Betrachtung in der Spitze des Fensters. Das Maßwerk besteht hauptsächlich aus sogenannten Fischblasen (flammenförmige Ornamente). Dieses Muster kommt auch in den meisten übrigen Fenstern vor. Durch vier Fischblasen zieht sich ein Spruchband hindurch. Darauf steht der Name Leu XIII (Papst 1878 - 1903). Darüber sieht man das Wappen des Papstes: Auf blauem Grund zwei Lilien mit einem Baum, ein Querbalken und oben links ein Stern. Zu Oberst erscheint die Papstkrone (Tiara), zu unterst, noch in dem Maßwerk, nebeneinander die Buchstaben P und M (Pontifex Maximus) und zwischen diesen die Schlüssel, die immer zum Papstwappen gehören.

Das Fenster zeigt nun, eingefasst von gemalter Architektur und vielen kleinen Ornamentmustern, zwei bedeutsame biblische Szenen, in denen Christus sich an die Apostel wendet und ihnen seine Aufträge erteilt.

Das obere Bild stellt die Aussendung der Apostel' dar, wie sie am Schluss des Mathäus-Evangeliums (18, 16-2o) geschildert wird:

"Die zwölf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, beteten sie ihn an, einige aber zweifelten. Da trat Jesus näher und sagte zu ihnen: Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin, lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe. Seht, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt."

Wir sehen den Auferstandenen und elf Apostel. (Der zwölfte war Judas). Die Apostel knien bzw. stehen. Es heißt ja: "Sie beteten ihn an, einige aber zweifelten." Jesus gibt ihnen den Auftrug zur Weltmission. Die Worte stehen unter dem Bild: Gehet hin, lehret alle Völker und taufet sie. Der letzte, schwerwiegende Satz: Seht, ich bin bei euch ... ist auch der Schlusssatz des Evangeliums.

Die Szene auf dem unteren Bild ist die Übertragung des Oberhirtenamtes (Primat) an Petrus. Sie ist im Nachtragskapitel des Johannes-Evangeliums ( 21, 1-3 und 15-17) beschrieben. Es heißt da: Jesus offenbarte sich am See von Tiberias (See Genesareth) sieben Jüngern.

Der Maler versetzt uns an das Ufer des Sees. Der See und die Spitze eines Kahns sind knapp angedeutet, ebenso ein Schafstall mit Futterkrippe, dazu fünf Schafe. Vor dem blauen Hintergrund erscheint ein grüner Raum und in der Ferne das Bild einer Stadt auf der Höhe. (Bei dieser Stadt hat der Maler vielleicht an die Stadt Safed oberhalb des Sees gedacht, auf die der Heiland - eine Vermutung der Bibelgelehrten - in der Bergpredigt hinwies, als er sagte: "Eine Stadt, die auf einem Berge liegt, kann nicht verborgen bleiben.")
Die im Evangelium genannten sieben Apostel sind Christus zugewandt. Es geht um Petrus. Er kniet genau in der Mitte des Bildes. Ihn spricht der Herr an: Simon, Sohn des Johannes, liebst Du mich? - Weide meine Lämmer. Weide meine Schafe. Der Apostel, der den Herrn dreimal verleugnet hat, muss ihm dreimal seine Liebe beteuern. Er soll der Hirt der Herde Christi sein.

Auf dem untersten Rand des Fensters steht die schwer lesbare Widmung (quadratische Majuskelschrift, Abkür¬zungen, die letzten Worte in Spiegelschrift):
.... (?) IN P(IAM) MEM(ORIAM) DILECT(ORUM) PAREN(TUM) JOS(EPH) CREMER ET MATH(ILDE) NATA DROLSHAGEN DEVICAV(ERUNT) FILII ET FILIAE 1902

.... (?) Zum frommen Gedenken an die lieben Eltern Joseph Cremer und Mathilde, geb. Drolshagen gewidmet von ihren Söhnen und Töchtern 1902.
Das Wappen zeigt auf blauem Schild drei Bärentatzen (?), darüber einen Helm und ein Phantasiegesicht mit Bart und hochstehenden Flügeln. (Es ist im Wappenbuch des westfälischen  Adels" von Max von Spießen nicht verzeichnet. Josef, Ludwig Wilhelm Cremer erbaute 1843 das  Cremersche Haus an der Mühlenstever.)